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FISCHBLÜTE! WER IST diese Kätzin? Und warum stinkt sie so? Wann hat sie sich denn das letzte Mal gewaschen? Oder ist sie deswegen so nass und hat einfach eine merkwürdige Art, ihren Pelz zu säubern?«, quiekte Natternjunges neugierig und hoppelte eifrig auf Nachtschweif zu, während sie, glücklicherweise gestützt von Adlerfeder und Knisterpelz, erschöpft in das große Lager des WasserClans humpelte. Ihr tat alles entsetzlich weh. Ihre Lungen brannten wie verrückt, als bekäme sie noch immer keine frische Luft, und an ihrer kräftigen Schulter hatte sie einen roten Blutfleck, wo sie im reißenden Strom gegen einen harten Felsen gerammt worden war. Sie wollte liebevoll schnurren, als Natternjunges und seine Geschwister Fliegenjunges und Ringelblumenjunges mit der Geschwindigkeit von jungen Kaninchen durch die Gegend sausten, brachte jedoch nur ein weiteres schmerzvolles Husten heraus. Sie stellte sich grausend vor, wie Schneepfote von Amselruf ebenfalls fuchsherzig gezwungen worden war, durch diese gefährlichste Stelle am rauschenden Fluss zu schwimmen. Die schüchterne Kätzin war noch so jung und verdiente es einfach nicht, im gleichen Clan wie dieser grausame Kater zu leben. Es war einfach unfair! Was soll jetzt mit Schneepfote passieren? Was ist, wenn sie … tot ist?
        Mit der lauten Bemerkung des kleinen schwarzen Katers hatte die verletzte FeuerClan-Kriegerin die Aufmerksamkeit des gesamten WasserClans auf sich gezogen. Stromfell, Blattseele, Mohnschatten und ihr Bruder Moorschwinge fauchten feindselig und legten drohend die Ohren an, während Maisherz, Schilfwedel, Steppenwind, Wunschweide und Morgenzweig sich still in den mit alten Binsen geschützten Kriegerbau zurückzogen, obwohl Wunschweide ja eigentlich eine Älteste und noch dazu eine ehemalige Heilerin war. Das ist ja komisch … ich meine, sie ist nur eine Älteste, weil ihr Vorderbein gebrochen ist, aber das ist doch kein Grund, in den Kriegerbau zu gehen, wenn man schon eine Heilerkatze gewesen ist? Wobei … was hat eine Älteste im Heilerbau zu suchen? Das leuchtete ihr ein. Kirschpfote, Eichhornpfote und Aalpfote starrten sie verwirrt an und Beerenpelz zog ihre beiden Jungen Waldjunges und Lorbeerjunges energisch in die wie immer milchig riechende Kinderstube. Fischblütes kleine Kinder durften hingegen noch immer herumtollen, wo sie wollten, weshalb Waldjunges neidisch nörgelte und ihre Mutter sie mit den spitzen Krallen im flauschigen Nackenfell packen musste, damit sie nicht einfach wegrannte. Das ist ja unfair … ich frage mich, ob WasserClan-Katzen denn gar nichts dürfen. Unbehaglich stellte sie ihr tropfendes Fell auf, in dem verzweifelten Versuch, die bohrenden Blicke des fremden Clans so abzuschirmen. Sie wusste nicht so recht, was sie tun sollte, denn Knisterpelz und Adlerfeder schienen irgendwie darauf zu warten, bis ihre Clan-Gefährten fertig mit dem unhöflichen Starren waren.
        Gerade wollte sie den beiden einen gereizten Krallenhieb verpassen, da sie sie einfach den vielen gruseligen Blicken auslieferten, als ihr einfiel, dass sie nur eine einzige verletzte Kätzin war und im vollen Lager eines gesamten verfeindeten Clans war. Das ist wohl keine so gute Idee. Hummelpelz, Löwenflug, Lilienschweif, Funkenpelz, Himmelpfote und Brombeerpfote waren von Eibenpelz, Finkenruf, Steppenwind, Dachspfote, Flusspfote und Staubfell zurück ins gemütliche, wohlbekannte FeuerClan-Territorium gebracht worden. Nur Nachtschweif hatte alleine zurückbleiben müssen, Knisterpelz hatte nämlich nachdenklich entschieden, dass es ihr leider zu schlecht ging, um sich den weiten Weg bis in ihr eigenes sicheres Lager entlang zu quälen. Darum wollte er sie jetzt unbedingt im merkwürdigen Heilerbau behalten, bis es ihr endlich besser ging. Ich denke trotzdem nicht, dass ich es länger als einen Tag hier aushalten werde. Es gibt hier keinerlei Mäuse, Eichhörnchen, Kaninchen, Vögel … nur Fische und Frösche. Außerdem stinken die Katzen hier. Liebe esse ich Krähenfraß! Gut, alten Krähenfraß würde sie doch nicht essen wollen.
         »Knisterpelz! Ist das nicht … eine FeuerClan-Kätzin? Und warum ist sie so nass? Ist sie in den Fluss gefallen? Wir sollten mehr trockenes Moos auf den Baumstamm legen, damit die Katzen nicht mehr so oft ausrutschen. Ich gehe gleich welches suchen, aber lass mich doch bitte zuerst helfen, wenn du diese Kätzin hier untersuchst. Das macht alles so viel Spaß!« Windpfote, der junge, aufgeweckte Heilerschüler des WasserClans, schoss aufgeregt aus einem kleinen, verlassenen Zweibeinerbau oder dergleichen, der den merkwürdigen Heilerbau darstellte. Habichtstern und Wunschweide lebten auch in solchen alten Holzwürfeln, die mithilfe von dickem Schilf und langen Binsen an stabile Sträucher auf der kleinen Insel gebunden worden waren, auf der sich das Lager befand. Das feuchte Holz war am Boden mit trockenem Moos ausgepolstert worden und außenherum war es mit verschiedenen, duftenden Pflanzen bedeckt worden. Innen hingen mehrere breite, platte Zweige an der dicken Wand, die die gesamte Länge des breiten Baus ausmachten. Sie sahen sehr unnatürlich aus, vielleicht war der einzige Grund, dass es von rücksichtslosen Zweibeinern gemacht worden war. Auf diesen platten Zweigen befanden sich stapelweise bunte Kräuter und Nachtschweif unterdrückte einen herannahenden Würgereflex, als sie daran dachte, sie zu zerkauen oder sich ins seidige Fell schmieren zu lassen. Sie hasste Heilpflanzen über alles, selbst wenn sie ihnen vielleicht das Leben zu verdanken hatte. Sie sind trotzdem widerlich.
        Knisterpelz blinzelte kurz verwirrt, dann fing er sich aber wieder. »Immer mit der Ruhe, Windpfote«, schnurrte er belustigt. »Nein, die Menge an Moos, die auf dem Baumstamm liegt, ist perfekt. Das letzte Mal hast du das sehr gut gemacht. Nachtschweif wollte aber an der Stelle durch, wo der Fluss am breitesten ist, und ist von der Strömung mitgerissen worden.« Mit einem mitleidigen Blick wandte er sich ihr zu und bedeutete Adlerfeder mit einer kurzen Schwanzgeste, dass sie nicht mehr gebraucht wurde. Die schlanke Kätzin ließ Nachtschweif vorsichtig los und setzte dann zurück in die Mitte des merkwürdigen Lagers.
        Trotz dem freundlichen Verhalten der drei Katzen fühlte die FeuerClan-Kriegerin sich nicht wohl. »Ich muss zu Schneepfote«, platzte sie plötzlich heraus und bemühte sich vergebens, nicht ängstlich auszusehen. Wenigstens kann ich das hier als gute Gelegenheit nutzen, um alleine mit ihr zu sprechen. Ich will wissen, wie es ihr geht. Die ganze Zeit war sie vor grausamer Sorge fast umgekommen. Meinte Windpfote nicht, dass dieser ach so tolle Baumstamm glitschig ist? Sie ist doch nicht etwa ausgerutscht, oder? Ihr triefender Pelz kribbelte vor Unbehagen und sie war sich nicht ganz so sicher, ob Knisterpelz es ihr erlauben würde.
        Doch der braune Kater mit dem abstehenden Fell musterte sie erst prüfend, bevor er zustimmend nickte. »Natürlich darfst du das«, entschied er wohlwollend und deutete mit dem buschigen Schwanz auf eine kleine Höhle, die unter einem flachen, großen Stein lag und um den schmalen Eingang mit kleinen Zweigen und trockenem Schilf geschützt war. »Sie ist dort drüben im Schülerbau.«
         »Danke, Knisterpelz!« Erfreut machte die schwarze Kätzin sich auf zum vermeintlichen Schülerbau. Als sie peinlich berührt und alleine über die große Insel trottete, konnte sie beunruhigt spüren, wie die feindseligen Blicke der fremden Katzen ihr genau folgten. Sie versuchte verzweifelt, sich zu verstecken, sich klein zu machen oder einfach zu verschwinden. Zusammen mit Schneepfote. Warum seid ihr so unfair? Was habe ich euch getan? Klar, sie war aus einem für sie verfeindeten Clan, aber mussten sie sie deshalb so mies behandeln? Wie musste es dann bloß der zierlichen, unschuldigen Kätzin gehen, die sie offensichtlich auf der Großen Versammlung auf grausame Weise entführt hatten?
        Rest folgt

Dunkler Himmel - Hintergrund (Sunny)